HIERZULAND: Euchariusstraße in Leiwen

Netzfundstück vom 23. August 2013

Ein Film von Elmar Bast (07:23 min)

Leiwen liegt an der Mosel zwischen Trier und Bernkastel-Kues – und den 1500 Einwohnern geht es wirklich nicht schlecht. Umgeben von einer der reizvollsten Landschaften in Rheinland-Pfalz leben viele Leiwener vom Tourismus und dem Weinbau.

Die Euchariusstraße ist ein gutes Beispiel dafür: Die Touristen-Führer machen nicht nur Halt an einem der ältesten Fachwerkhäuser der Mosel, erbaut im 15. Jahrhundert, sondern auch an der Euchariuskapelle, die heute ein Museum beherbergt.

Sehr beliebt ist auch der Abstecher zu Klaus Herres, einem der besten Sekthersteller Deutschlands. Gelernt hat er sein Handwerk in der Champagne und seit 1999 werden seine Produkte bei Staatsempfängen im Schloss Bellevue ausgeschenkt. Neben unserem Bundespräsidenten haben schon Vladimir Putin, Königin Silvia oder Bill Clinton den guten Tropfen von der Mosel gekostet.

Normalbürgern enthält Klaus Herres seinen Sekt natürlich auch nicht vor: in der „Sektstuuf“ mitten in der Euchariusstraße stehen seine Produkte ganz oben auf der Getränkekarte.

Unter Führung des Gästeführers Herbert Müller geht es in dem informativen Beitrag zunächst um das Heimatmuseum Leiwen in der ehemaligen Euchariuskapelle (bis 01:35 min) und danach um die Renovierung des heutigen Restaurant vierzehn85 durch Norbert Schmitz (bis 03:10 min). Anschließend kommt dann ein sehr netter Bericht über Klaus Herres und das Sektgut St. Laurentius (bis 05:49 min) und zum Abschluss geht’s dann auch noch um die Sektstuuf Laurentius, die damals von Patrick Lier geleitet wurde (bis 07:23 min). 

Quelle & Bilder: SWR 2013
https://www.swr.de/video/sendungen-a-z/landesschau-rlp/hierzuland/aexavarticle-swr-17394.html

Transkript aus dem Film von Elmar Bast 

Heimatmuseum Leiwen

Die Euchariusstraße schlängelt sich von einem Ende Leiwens bis ans andere. Sie ist die heimliche Hauptstraße. Früher war die es wirklich. Als es die Kirche noch nicht gab, war die Kapelle der geistliche Mittelpunkt der Moselgemeinde. Sie ist dem heiligen Eucharius geweiht, dem ersten Bischof von Trier. Erwähnt wurde sie erstmals 1609. 

Später wurde sie dann versteigert. 80 Jahre war sie dann das Fass- und Eichamt. Der hintere, abgetrennte Chorteil wurde 1913 als Arrestzelle ausgebaut, als Gefängnis quasi.
Helmut Müller

Nach dem zweiten Weltkrieg diente die ehemalige Kapelle dann als Obdachlosenheim. Seit 20 Jahren ist in ihr und der benachbarten Scheine das Heimatmuseum untergebracht. Was für ein wechselvolle Geschichte!

Restaurant vierzehn85

In unmittelbarer Nachbarschaft stehen die schönsten Häuser von Leiwen. Darunter sogar eines der interessantesten aus der ganzen Mosel.

Hier stehen wir an dem Fachwerkhaus. Das ist eines der ältesten Häuser, also das älteste Haus in Leiwen und vielleicht das älteste Haus an der Mosel.
Helmut Müller

20 Jahre stand es leer; seit kurzem tut sich wieder was. Das Haus aus dem 15. Jahrhundert wird von Grund auf saniert. Lehrer Hundert Jahre lang haben sich die Holzwürmer durch die dicken Balken gefressen; damit ist nun Schluss. 

Norbert Schmitz hat in den vergangenen drei jähren schon 30 Tonnen Schutt weggefahren. Seit Ziel: innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen hier ein Café und mehrere Ferienwohnungen entstehen. Die Sanierung gleicht einer Mammutaufgabe, die der gelernte Bautechniker und seine Helfer aber im Griff haben. 

Bisschen verrückt müssen sie schon sein und Interesse an der alten Bausubstanz haben. Da wir vom Fach sind, Innenausbau und Schreiner, liegt uns das schon sehr nahe und ein bisschen am Herzen.
Norbert Schmitz

In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt und mit Hilfe vieler Freunde, die einfach Spass daran haben, ein so altes Haus mit den Mitteln von damals wieder herzurichten, geht es langsam aber stetig voran, Die Wärmedämmung á la Mittelalter trocknet gerade durch. 

Sektgut St. Laurentius

Wein, Wein, und nochmals Wein. Wohin man in der Euchariusstraße auch blickt: der Winzer haben keine Nachwuchssorgen, die Betriebe sind kerngesund. Sogar Innovationen gehen von hier hinaus in die große weite Welt. 

Der Betrieb von Klaus Herres ist das beste Beispiel. heute wird nur noch Sekt produziert. Ein Sekt allerdings mit dem gewissen Etwas. Durch Zugabe von Weinlikör wird der Flaschengärung eine spezielle Geschmacksrichtung zugemischt, die auch den Kunden in Nordeuropa, Südkorea, Japan oder Singapur bestens mundet. 

Die junge Generation hilft schon fleißig bei der Produktion von 80.000 Flaschen mit, die jedes Jahr die Euchariusstraße verlassen. Ich noch wird der Betrieb vom Senior geführt. Klaus Herres war es, der als Jungwinzer den jahrhundertealten Familienbetrieb von Wein- auf Sektproduktion umstellte. Keine leichte Entscheidung damals. 

Für mich war es auch eine Herausforderung was zu machen, was noch keiner gemacht hat. Gegen die Familie habe ich dann den Betrieb in 30 Jahren umgestellt. Mit Erfolg, wie man sieht und das hat sich gelohnt.
Klaus Herres

Es hat sich sogar mehr als gelohnt. Klaus Herres hat sein Handwerk in der Champagne gelernt, die Methode dem Moselwein angepasst und neue Geschäftsideen entwickelt. Mit großem Erfolg. Heute wird der edle Tropfen bei allen Staatsempfängen unseres Bundespräsidenten im Schloss Bellevue gereicht. Warum? Weil Klaus Herres 1999 durch Zufall erfuhr, dass dort nur Champagner auf der Speisekarte stand. 

Und da haben wir gesagt, das geht so gar nicht. Und dann haben wir einen Beschwerdebrief nach Berlin geschrieben. Wo wir gar nicht mit gerechnet haben: innerhalb von einer Woche hatten wir Antwort: Sie haben Proben angefordert und wir Proben hingebracht und seitdem sind wir Hoflieferant beim Bundespräsidenten, also jetzt schon seit 14 Jahren. Und hier ist jetzt eine Speisekarte von Schloss Bellevue wo zum Beispiel Putin da war. Dann gibt’s immer auf einer Seite das Essen, die Essenfolge: eine Seite auf Russisch und eine Seite auf Deutsch. Und so haben wir viele Speisekarten, ob das Kofi Anan, ob Bill Clint oder die Englische Königin. Und das ist natürlich was ganz Besonderes, wenn es dann Leiwener Sekt dort gibt.“
Klaus Herres

Sektstuuf Laurentius

Den „Bundepräsidentensekt“ aus Leiwen kann man auch bei Patrick Lier genießen. Er kocht gleich nebenan die passenden Gerichte dazu. Seine Mutter stammt aus Trier, doch es bedurfte einer langen Odyssee, bis auch der Sohn sein Glück an der Mosel fand. 

Patrick Lier war in Spitzenhäusern aus Sylt bis Malta aktiv. Vor einigen Jahren zog es ihn dann hierhin, Gründe dafür gab es viele. Ganz tief in sich drin mag er die Mentalität der Moselaner. 

Gerade hier an der Mosel ist es einfach ein sehr ehrliches, bodenständiges und direktes Völkchen. Hier ist man sehr schnell per Du und es ist einfach ein bisschen unkomplizierter und, wie gesagt, ehrlicher einfach.
Patrick Lier

Die Sektstuuf in der Euchariusstraße ist ein Hingucker; das Essen auch. Auf der Speisekarte stehen Gerichte, die zur Mosel passen. Mit Zutaten aus der Region, die offenbar am liebsten mit dem Sekt von nebenan getrunken werden. Diese Vermutung legt zumindest ein Blick in diesen Korb nahe {viele Sektkorken}.

Die Sektstuuf ist nicht die schlechteste Adresse, um die Führung durch die Euchariusstraße von Leiwen gemütlich ausklingen zu lassen. 

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