
Ehemalige Euchariuskapelle Leiwen
Spiegelbild einer wechselvollen Geschichte der Gemeinde
Meilensteine der Geschichte
Vor 1609
Wesentlich älterer Vorgängerbau
Aufgrund des Eucharius-Patroziniums kann davon ausgegangen werden, dass der heutige Kirchenbau auf den Fundamenten einer wesentlich älteren Kapelle errichtet wurde. Da schon für die Antike zwei römische Landgüter in Leiwen nachgewiesen sind (Villa Bohnengarten & Villa Auf Hostert), haben möglicherweise schon Urchristen an dieser Stelle zu Gott gebetet.
Die Verehrung des Heiligen Eucharius, dem ersten Bischof von Trier, wird ab dem Jahr 455 bezeugt. Nach einer Legende aus dem 8. Jahrhundert soll er ein Schüler von Petrus gewesen sein, der ihn gemeinsam mit dem Heiligen Maternus (dritter Bischof von Trier, erster Bischof von Köln) als Glaubensbote nach Gallien geschickt hat. Dort soll er auch seinen verstorbenen Gefährten mit dem Stabe des Petrus aus einem Sarkophag wieder zum Leben erweckt haben.
Sein tatsächliches Wirken fällt ca. in die Mitte des 3. Jahrhunderts, also in die Zeit von Kaiser Konstantin dem Großen und in eine Zeit der großen Christenverfolgungen und der militärischen Bedrohungen durch die ersten Germaneneinfälle. Die Trierer Tradition erzählt, dass Eucharius eine Venusstatue gestürzt und das heutige Marktkreuz, dessen Schaft tatsächlich aus der Antike herrührt, an seine Stelle gesetzt habe. Auf dem alten Trierer Stadtsiegel empfängt er neben dem Heilgen Petrus den Schlüssel zur Stadt.
Die für das Logo verwendete Münze ist übrigens ein Silberdenar der Abtei St. Eucharius in Trier (heute Benediktinerabteil St. Matthias). Er wurde wohl um die Mitte des 11. Jahrhunderts geprägt und zeigt auf der Vorderseite ein geistliches Brustbild mit Krummstab und dem Namen S EVCHARIVS (rückläufig geschrieben). Die Rückseite der Münze zeigt zwei Hände, die zwei Schlüssel halten, deren Bärte die Buchstaben ET (Ligatur) und R in der Umschrift bilden (Quelle: Museum Digital).
1609-1803
Barocke St. Euchariuskapelle
Die ehemalige Euchariuskapelle, ein dreiseitig geschlossener, barocker Giebelbau mit verschiefertem Dachreiter und rundgeschlossenen Fenstern, wurde 1609 erstmals urkundlich erwähnt. In einem Visitationsprotokoll von 1656 wird der Heilige Eucharius von Trier als Schutzpatron, der nach alten Quellen bzw. Legenden der erste Bischof von Trier war.
1773 wird in einem weiteren Protokoll erwähnt, dass noch zweimal im Jahr eine Heilige Messe in der Kapelle gefeiert wird. Dort wird erwähnt, dass die Messgewänder von der Pfarrkirche mitgebracht werden und dass zuvor ein Kaplan einmal pro Woche eine Messe gefeiert hätte, der dafür einen halben Sester Wein von den Einwohnern erhielt.
Das Umfeld der Kapelle diente als Grabstätte in nicht geweihter Erde für auf Leiwener Gemarkung tot aufgefundene Fremde. Meist wurden diese als Folge eines Schiffsunglücks von der Mosel ans Ufer geschwemmt. Hier sollen nach einer mündlichen Überlieferung um 1800 auch gefallene französische Soldaten beigesetzt worden sein.
Die Verehrung des Eucharius wird ab 455 bezeugt, die Legende ist im 8. Jahrhundert nachweisbar. Er soll ein Schüler von Petrus gewesen sein, der ihn gemeinsam mit Maternus als Glaubensbote nach Gallien geschickt hat. Dort soll er auch seinen verstorbenen Gefährten mit dem Stabe des Petrus aus einem Sarkophag wieder zum Leben erweckt haben. Die Trierer Tradition erzählt, dass er eine Venusstatue gestürzt und das heutige Marktkreuz, dessen Schaft tatsächlich aus der Antike herrührt, an seine Stelle gesetzt habe.
1803-1993
Lagerhaus, Eichamt, Obdachlosenheim
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wird die ganze Anlage säkularisiert. 1821 wird die Kapelle vom ehemaligen Schulmeister und damaligen Wirt Caspar Schmitt für 200 Taler und 12 Groschen ersteigert, der das Gebäude vermutlich als Lagerhalle nutzt. 1887 fällt das Gebäude an die Gemeinde, wird umgebaut und ab 1888 als „Gemeinde-Faß-Aichungsamt“ und Obdachlosenunterkunft der Gemeinde genutzt.
Erster Eichmeister der Gemeinde ist 1888 Johan Schmitt. Ihm folgen 1899 Josef Bartel, 1912 Peter Lentes, 1940 Matthias Steffes-Herres und 1947 Matthias Herres-Rosch. Letzter Eichmeister von 1956 bis zur Auflösung 1969 war Matthias Weis.
Danach war der Bau ungenutzt und der Verfall setzte rasch ein. Bei der grundlegenden Restaurierung ab 1989 wird die Kapelle wieder weitgehend in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Zusammen mit einer angrenzenden Scheune, die mittels eines neu errichteten Zwischenbaus verbunden wird, entsteht 1993 das neue Museum der Gemeinde Leiwen.
1993-2024
Heimat- und Weinmuseum Leiwen
Wein und Weinbau bestimmen seit 2000 Jahren das Leben an der Römischen Weinstraße. Das Heimat- und Weinmuseum der Gemeinde Leiwen hält diese Tradition des Weinbaus von den Römern bis heute lebendig.
Um die religiöse Bedeutung des Ortes zu wahren, versucht die Ausstellung den sakralen Bezug zum Wein herzustellen. Daneben werden auch archäologische Funde der Gemeinde aus vergangenen Epochen präsentiert. Hervorzuheben ist eine Säulenfigur aus Sandstein, vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, die bei der Renovierung als Spolie der nördlichen Außenwand entnommen wurde.
In der angegliederten Scheune sind im Erdgeschoss eine komplette Küferwerkstatt und eine Destillationsanlage und der Weg von der Traube am Stock zum Wein in der Flasche (um 1950) zu sehen. Im Obergeschoss der Scheune dokumentieren zahlreiche eindrucksvoll Fotografien aus vergangen Tagen die Ortsgeschichte und das Leiwener Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Dass diese Gegend schon zu Zeiten der Römer besiedelt gewesen ist, zeigen die Ausgrabungen von zwei römischen Landvillen in der Umgebung. Außerdem dokumentieren historische Fotografien das Leben der Leiwener zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und auch die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Leiwen wird anhand von liturgischen Zeugnissen wachgehalten
Seit 2024
Initiative zur Wahrung des Gebäudes
Die Corona-Epidemie im Jahr 2020 bedeutet eine regelrechte Zäsur für das Gemeindemuseum und führt zu einem Auslaufen der zuvor zahlreichen Aktivitäten und zu einer „vorübergehenden“ Schließung des Gemeindemuseums. Ende 2024 wurde daher eine private Initiative gestartet, um die ehemalige Euchariuskapelle und das Heimat- und Weinmuseum wieder zum Leben zu erwecken. Ziel ist dabei die Wahrung der kulturhistorisch bedeutsamen Euchariuskapelle und der Erhalt des Heimat- und Weinmuseums am bestehenden Ort.