Euchariuskapelle Leiwen

Spiegelbild einer wechselvollen Geschichte der Gemeinde

Vor 1609

Wesentlich älterer Vorgängerbau

Mehr Infos

Vor 1609
1609-1803

Barocke St. Euchariuskapelle

Mehr Infos

1609-1803
1803-1993

Lagerhaus, Eichamt, Obdachlosenheim

Mehr Infos

1803-1993
1993-2024

Heimat- und Weinmuseum Leiwen

Mehr Infos

1993-2024
Seit 2024

Initiative zur Wahrung der Gebäude

Mehr infos

Seit 2024
Zukünftig

Neues Nutzungskonzept (ab 2028)

Mehr infos

Zukünftig

Meilensteine der Geschichte

Vor 1609

Wesentlich älterer Vorgängerbau

Aufgrund des Eucharius-Patroziniums kann davon ausgegangen werden, dass der heutige Kirchenbau auf den Fundamenten einer wesentlich älteren Kapelle errichtet wurde. Da schon für die Antike zwei römische Landgüter in Leiwen nachgewiesen sind (Villa Bohnengarten & Villa Auf Hostert), haben möglicherweise schon Urchristen an dieser Stelle zu Gott gebetet.

Die Verehrung des Heiligen Eucharius, dem ersten Bischof von Trier, wird ab dem Jahr 455 bezeugt. Nach einer Legende aus dem 8. Jahrhundert soll er ein Schüler von Petrus gewesen sein, der ihn gemeinsam mit dem Heiligen Maternus (dritter Bischof von Trier, erster Bischof von Köln) als Glaubensbote nach Gallien geschickt hat. Dort soll er auch seinen verstorbenen Gefährten mit dem Stabe des Petrus aus einem Sarkophag wieder zum Leben erweckt haben.

Sein tatsächliches Wirken fällt ca. in die Mitte des 3. Jahrhunderts, also in die Zeit von Kaiser Konstantin dem Großen und in eine Zeit der gro­ßen Chris­ten­ver­fol­gun­gen und der mi­li­tä­ri­schen Be­dro­hun­gen durch die ersten Germaneneinfälle. Die Trierer Tradition erzählt, dass Eucharius eine Venusstatue gestürzt und das heutige Marktkreuz, dessen Schaft tatsächlich aus der Antike herrührt, an seine Stelle gesetzt habe. Auf dem alten Trierer Stadtsiegel empfängt er neben dem Heilgen Petrus den Schlüssel zur Stadt.

Die dargestelle Münze ist übrigens ein Silberdenar der Abtei St. Eucharius in Trier (heute Benediktinerabteil St. Matthias). Er wurde wohl um die Mitte des 11. Jahrhunderts geprägt und zeigt auf der Vorderseite ein geistliches Brustbild mit Krummstab und dem Namen „S EVCHARIVS“ (rückläufig geschrieben). Die Rückseite der Münze zeigt zwei Hände, die zwei Schlüssel halten, deren Bärte die Buchstaben ET (Ligatur) und R in der Umschrift bilden (Quelle: Museum Digital).

Silberdenar der Abtei St. Eucharius aus dem 11. Jhd

Eucharius auf einem Silberdenar der Abtei St. Eucharius aus dem 11. Jhd

1609-1803

Barocke St. Euchariuskapelle

Die ehemalige Euchariuskapelle, ein dreiseitig geschlossener, barocker Giebelbau mit verschiefertem Dachreiter und rundgeschlossenen Fenstern, wurde 1609 erstmals urkundlich erwähnt. In einem Visitationsprotokoll von 1656 wird der Heilige Eucharius von Trier als Schutzpatron, der nach alten Quellen bzw. Legenden der erste Bischof von Trier war.

1773 wird in einem weiteren Protokoll erwähnt, dass noch zweimal im Jahr eine Heilige Messe in der Kapelle gefeiert wird. Dort wird erwähnt, dass die Messgewänder von der Pfarrkirche mitgebracht werden und dass zuvor ein Kaplan einmal pro Woche eine Messe gefeiert hätte, der dafür einen halben Sester Wein von den Einwohnern erhielt.

Das Umfeld der Kapelle diente als Grabstätte in nicht geweihter Erde für auf Leiwener Gemarkung tot aufgefundene Fremde. Meist wurden diese als Folge eines Schiffsunglücks von der Mosel ans Ufer geschwemmt. Hier sollen nach einer mündlichen Überlieferung um 1800 auch gefallene französische Soldaten beigesetzt worden sein.

Die Verehrung des Eucharius wird ab 455 bezeugt, die Legende ist im 8. Jahrhundert nachweisbar. Er soll ein Schüler von Petrus gewesen sein, der ihn gemeinsam mit Maternus als Glaubensbote nach Gallien geschickt hat. Dort soll er auch seinen verstorbenen Gefährten mit dem Stabe des Petrus aus einem Sarkophag wieder zum Leben erweckt haben. Die Trierer Tradition erzählt, dass er eine Venusstatue gestürzt und das heutige Marktkreuz, dessen Schaft tatsächlich aus der Antike herrührt, an seine Stelle gesetzt habe.

1803-1993

Lagerhaus, Eichamt, Obdachlosenheim

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wird die ganze Anlage säkularisiert. 1821 wird die Kapelle vom ehemaligen Schulmeister und damaligen Wirt Caspar Schmitt für 200 Taler und 12 Groschen ersteigert, der das Gebäude vermutlich als Lagerhalle nutzt. Bei einer durchschnittliche Kaufkraft eines preußischen Talers im frühen 19. Jahrhundert von 20 bis 50 € (gemessen an alltäglichen Lebenshaltungskosten) entspricht das einem heutigen Kaufpreis von ca. 7.000 €.

1887 fällt das Gebäude an die Gemeinde, wird umgebaut und ab 1888 als spezielles „Gemeinde-Faß-Aichungsamt“ und Obdachlosenunterkunft der Gemeinde genutzt. Nach der Reichsgründung von 1871 musste alle Gewichte und Maße streng kontrolliert werden („Reichs-Maß- und Gewichtsordnung“). Für den Weinhandel an der Mosel war das exakte Volumen der traditionellen Fuderfässer (1000 Liter) die entscheidende Handelsgrundlage. Nur zertifizierte Fässer durften im gewerblichen Weinhandel eingesetzt werden.

Erster Eichmeister der Gemeinde ist 1888 Johan Schmitt. Ihm folgen 1899 Josef Bartel, 1912 Peter Lentes, 1940 Matthias Steffes-Herres und 1947 Matthias Herres-Rosch. Letzter Eichmeister von 1956 bis zur Auflösung 1969 war Matthias Weis. Der Grund war die zunehmende Zentralisierung des rheinland-pfälzischen Eichwesens und der langsame Rückgang von Holzfässern zugunsten von Most- und Reifetanks aus Glasfaser oder Edelstahl.

Nach der Schließung des Eichamts ging ein Großteil der Arbeitsutensilien (Prüfgefäße und Messwerkzeuge) – darunter die originalen kaiserlichen und später bundesrepublikanischen Brennstempel und Schlagwerkzeuge – in den Besitz des Heimat- und Weinmuseums Leiwen über.

Der Bau war danach ungenutzt und der Verfall setzte rasch ein. Bei der grundlegenden Restaurierung ab 1989 wird die ehemalige Kapelle wieder weitgehend in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Zusammen mit einer angrenzenden Scheune, die mittels eines neu errichteten Zwischenbaus verbunden wird, entsteht 1993 das neue „Museum der Gemeinde Leiwen“, das später in Heimat- und Weinmuseum Leiwen umgenannt wird.

Eichamt und Obdachlosenunterkunft der Gemeinde Leiwen im 19. und 20. Jhd

1993-2024

Heimat- und Weinmuseum Leiwen

Wein und Weinbau bestimmen seit 2000 Jahren das Leben an der Römischen Weinstraße. Das Heimat- und Weinmuseum der Gemeinde Leiwen hält diese Tradition des Weinbaus von den Römern bis heute lebendig.

Um die religiöse Bedeutung des Ortes zu wahren, versucht die Ausstellung den sakralen Bezug zum Wein herzustellen. Daneben werden auch archäologische Funde der Gemeinde aus vergangenen Epochen präsentiert. Hervorzuheben ist eine Säulenfigur aus Sandstein, vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, die bei der Renovierung als Spolie der nördlichen Außenwand entnommen wurde.

In der angegliederten Scheune sind im Erdgeschoss eine komplette Küferwerkstatt und eine Destillationsanlage und der Weg von der Traube am Stock zum Wein in der Flasche (um 1950) zu sehen. Im Obergeschoss der Scheune dokumentieren zahlreiche eindrucksvoll Fotografien aus vergangen Tagen die Ortsgeschichte und das Leiwener Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dass diese Gegend schon zu Zeiten der Römer besiedelt gewesen ist, zeigen die Ausgrabungen von zwei römischen Landvillen in der Umgebung. Außerdem dokumentieren historische Fotografien das Leben der Leiwener zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und auch die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Leiwen wird anhand von liturgischen Zeugnissen wachgehalten

Flyer des „Museum der Gemeinde Leiwen“ aus dem Jahr 2001

Seit 2024

Initiative zur Wahrung der Gebäude

Das Heimat- und Weinmuseum Leiwen (kurz: „Gemeindemuseum“) präsentierte über drei Jahrzehnte hinweg die reiche Kulturgeschichte und die Weintradition der Moselgemeinde. Die historischen Exponate und Ausstellungsbereiche des Museums wurden in der barocken St. Euchariuskapelle und einem angeschlossenen Wirtschaftsgebäude präsentiert.

Die Corona-Epidemie im Jahr 2020 bedeutet eine regelrechte Zäsur für das Gemeindemuseum. Sie führte zu einem Auslaufen der zuvor zahlreichen Aktivitäten und zu einer „vorübergehenden“ Schließung des Gemeindemuseums, die bis heute anhält.

Bereits Ende 2024 wurde daher eine private Initiative gestartet, um die ehemalige Euchariuskapelle und das Gemeindemuseum wieder zum Leben zu erwecken. Ziel der Interessengemeinschaft ist dabei die Wahrung der kulturhistorisch bedeutsamen Euchariuskapelle und der Erhalt des Heimat- und Weinmuseums am bestehenden Ort.

Anfang 2026 fand eine gemeinsame Besichtigung des Heimat- und Weinmuseums durch die IG zusammen mit dem Bürgermeister Joachim Hagen und insgesamt fünf Handwerkern statt. Dabei wurde von den beteiligten Handwerkern eine erste Bestandsaufnahme der vor einer Wiedereröffnung notwendigen Arbeiten vorgenommen. Bei der Begehung fanden sich keine erheblichen Baumängel oder statischen Probleme. Trotz langem Leerstand und hochwasserbedingten Schäden besteht kein unkalkulierbarer Renovierungsstau. 

Die IG Heimat- und Weinmuseum Leiwen (HWM) hat sich zwischenzeitlich mit dem Touristikverein Leiwen e.V. (TVL) und dem Verein Region Leiwen e.V. (VRL) abgestimmt und bereitet aktuell einen gemeinsamen Antrag an den Bürgermeister bzw. den Gemeinderat zur Wiedereröffnung des Heimat- und Weinmuseums Leiwen vor. Hierzu wird von der Interessengemeinschaft abgestuftes Nutzungskonzept erstellt, dass im Zusammenarbeit mit der Gemeinde Leiwen bis 2028 umgesetzt werden soll.

Zukünftig

Neues Nutzungskonzept (ab 2028)

Wir informieren an dieser Stelle über den Status und die weiteren Schritte, sobald der Antrag zur Wiedereröffnung beim Gemeinderat eingereicht bzw. darüber abgestimmt wurde. Die für den Antrag vorgesehene Sitzung des Ortsgemeinderates Leiwen findet am Montag, den 10.08.2026 ab 18:00 Uhr im Gemeindezentrum Forum Livia statt. Grundsätzlich schlagen die IG und TVL eine abgestufte Wiedereröffnung des Gemeindemuseums in drei Phasen und mit einem komplett neuen Nutzungskonzept ab Anfang 2028 vor.

Der Erhalt bzw. Umbau des Heimat- und Weinmuseums bietet unseres Erachtens die letzte Möglichkeit, den gesamten Straßenzug der Euchariusstraße als in sich geschlossene „Kulturmeile“ der Gemeinde Leiwen zu etablieren. Mit einem neuen, erweiterten und zeitgemäßen Nutzungskonzept für das ehemalige Gemeindemuseum bietet sich hier die einmalige Möglichkeit einer Wertsteigerung für den ganzen Ort.

Kontaktaufnahme

IG Heimat- und Weinmuseum Leiwen

+49 171 7735449
info@euchariuskapelle.de
euchariuskapelle.de

Kontaktperson:  Andreas Kohl

Vor- und Nachname
E-Mail-Adresse
Telefonnummer
Nachricht
Deine Nachricht an uns wurde erfolgreich übermittelt!
Bitte überprüfe alle Formularfelder auf eine korrekte Eingabe.

Aktuelle Beiträge

Alle Beiträge der IG Heimat- und Weinmuseum Leiwen sind unter News zu finden : )

Nach oben scrollen